Richard Wagner und Bayreuth

Rotary Club AARAU

Richard Wagner und Bayreuth

Referent: Rot. Beat Unternährer

Lunchbericht vom 23. Oktober 2007

Präsident Beppo Gehrig durfte nicht nur eine stattliche Gästezahl willkommen heissen, sondern mehrere Gratulationen aussprechen: Fred Walther für die Wahl seiner Tochter Corina Eichenberger als Nationalrätin, Michael Hunziker für das gute Wahlresultat, Bruno Covelli für die Ernennung zum ersten Präsidenten der neu geschaffenen Eidgenössischen Kommission für nukleare
Sicherheit und Susanne Vögeli zu ihrem „Schnapszahl“-Geburtstag.

Richard Wagner und Bayreuth Mit Beat Unternährer hatte unsere Programmleiterin Therese Schaub einen vielseitigen Referenten
eingeladen. Beat ist Gründungspräsident des Clubs Aarau Alpenzeiger, Ausbildungsleiter und Trainer für verschiedenste Institutionen, Grossrat und Theaterliebhaber.

Sein „Hobby“ übt er sehr vielseitig aus. Viele haben seine Auftritte als Schauspieler an den Freilichtspielen in Aarau in Erinnerung, er besucht regelmässig die verschiedensten Opernhäuser zwischen Strassburg, Bern, Luzern, Zürich, Graz und Wien und hat kürzlich ein mehrjähriges Studium als
„Master of Art“ in London abgeschlossen. Im Rahmen seiner Diplomarbeit hat er sich mit Richard Wagner und Bayreuth befasst. Zum Einstieg präsentierte der Referent die Schlusstakte der Oper Rienzi, inklusive Applaus des
Publikums. Bereits diese Kostprobe dürfte im Club kontroverse Gefühle geweckt haben, Bewunderung und Genuss auf der Einen, Skepsis und Ablehnung auf der anderen Seite, aber sicher keine Gleichgültigkeit.
Richard Wagner wurde 1813 in Leipzig geboren, wo er das Gymnasium besuchte und im strengen Thomaskantor die erste Ausbildung in Kontrapunkt, Fuge und Geigenspiel erhielt. Als Kapellmeister waren Magdeburg, Königsberg und Riga die nächsten Stationen, bis er 1839 hochverschuldet
mit seiner Ehefrau nach London flüchten musste.

Von dort ging er nach Paris, auf den Schifffahrten entwickelte er Ideen für den „Fliegenden Holländer“. In Paris vollendete er die Oper „Rienzi“, komponierte den „Fliegenden Holländer“ und machte die Bekanntschaft mit dem begüterten Komponisten Meyerbeer. Wohl aus Eifersucht auf dessen Stellung verfasste er unter anderem auch antisemitische Artikel gegen das Kulturestablishment. So kam im wohl der Ruf nach Dresden sehr willkommen. Aufgrund des Erfolgs von „Rienzi“ wurde er als KöniglichSächsischer Kapellmeister auf Lebzeit ernannt.

Die nachfolgenden Werke Tannhäuser und Lohengrin wurden indessen vom Publikum mit Stürmen heftigster Kritik aufgenommen. Ausserdem
beteiligte sich der Komponist am Dresdener Maiaufstand und musste, steckbriefliche gesucht, in die Schweiz flüchten. In Zürich fand er Aufnahme bei der Kaufmannsfamilie Wesendonk, welche ihm im sogenannten „Asyl“ das Gartenhaus zur Verfügung stellte. Wagner komponierte Tristan, sowie die Wesendonk – Lieder, in welchen er die Liebesbeziehung zur Gattin
seines Wohltäters verewigte. Nach einer Amnestie zog Wagner über Karlsruhe nach Wien, von wo er finanziell völlig ruiniert an den Hof Ludwigs II von Bayern nach München flüchtete.

Er nützte die Begeisterung des Monarchen schamlos aus und wurde schliesslich der Stadt verwiesen.
1866 liess er sich Triebschen nieder und lebte dort in Liaison mit der Gattin seines bestens Freundes, Hans von Bülow und (uneheliche) Tochter von Franz Liszts. 1872 erfolgte der Umzug Wagners nach Bayreuth wo das von ihm konzipierte Festspielhaus gebaut wurde.

1876 fand dort unter Leitung von Hans Richter die Uraufführung des „Ring des Nibelungen“ statt, ein 17-stündiges Werk, welches sich vom Anfang bis zum Ende der Welt erstreckt.

Nachdem 1882 das letzte seiner Musikdramen, Parsifal, uraufgeführt wurde, übersiedelte Wagner nach Venedig, wo er 1883 starb.
Bulletin N° 17 Seite 4/5 Aarau, 23. Oktober 2007

Das Leben Wagners ist also geprägt von unzähligen Frauengeschichten, Finanzskandalen, von Undankbarkeit gegenüber Helfern und Gönnern. Als Mensch war er kaum ein grosser Sympathieträger, sondern eher eine monoman-egozentrische Persönlichkeit, aalglatt schlängelte er sich von Vorteil zu Vorteil. Auf sämtlichen Bildern inszenierte er sich als „der Grösste“, Menschen in seiner Umgebung wurden sitzend dargestellt. Was zweifellos bewegt ist sein Lebenswerk.

Je nach persönlicher Präferenz wird er zu den bedeutendsten 24, 12 oder 6 „Erzengeln“ (nebst Bach, Beethoven, Schubert, Mozart und Brahms) der Komposition gezählt. Eingefleischte Wagnerianerinnen und Wagnerianer bezeichnen das Werk sogar als einzigartige Kulturleistung.

Tatsächlich schuf er auf dem Gebiet völlig Neues, das er selbst im Sinne einer Einheit von Dichtung, Musik und Theater als „Gesamtkunstwerk“ bezeichnete. Dementsprechend schrieb er alle Libretti selbst, überwachte die Bühneninszenierungen persönlich und nahm auch direkten Einfluss auf das Orchester. Neu am kompositorischen Stil war, dass die Opern nicht mehr eine
Abfolge von Arien, Duetten, Choreinsätzen etc. war, sondern eine  durchgehende Gesamtkomposition.

Die Musik sollte nicht einfach als Begleitung wirken, sondern das Geschehen auf der Bühne vertiefen und dabei zum Ausdruck bringen, was sich nicht in Worte fassen lässt. Dabei wurden die Werke anhand von Leitmotiven konsequent durchkomponiert: was am ersten Abend des Rings präsentiert wird, findet sich in den nachfolgenden Aufführungen konsequent weiter
entwickelt. Mit seiner Behandlung der Harmonik und Behandlung des Orchesters ging er an die Grenzen des traditionellen tonalen Systems. Wagner ist somit Wegbereiter für die atonale Musik des 20 Jahrhunderts. Er steht zwischen den Experimenten eines späten Beethoven und der „neuen“ Musik von Strauss, Debussy, Schönberg, Bruckner, Mahler und vielen anderen.
Der Festspielort Bayreuth ist eine Universitätsstadt mit 76’000 Einwohnern. Von vielen Festspielbesuchern unbeachtet ist das markgräfliche Opernhaus, eines der ältesten noch erhalteen seiner Art. Ursprünglich sollten auf der grossen Bühne Wagners Werke aufgeführt werden, was sich aber als schwierig erwies. Ebenfalls bemerkenswert ist Schloss Eremitage mit seinen
Parkanlagen; welche als „sans pareil“ Gegendemonstration zum Zwinger in Dresden darstellen sollten. Nebst diesen und weiteren Barockbauten nimmt sich das Festspielhaus wie eine Kombination von Bierzelt und Bahnhof aus. Selbst eingefleischte Wagner-Fans müssen eingestehen, dass der Petersdom über wesentlich bessere architektonische Qualitäten verfügt. Der Bau
trägt eigenwillige Züge. Das Innere ist aus akustischen Gründen eine reine Holzkonstruktion (diese ist inzwischen mit Stahlträgern verstärkt worden). Der Zuschauerraum gleicht einem Amphitheater aus gleichmässig ansteigenden Rängen. Kein Platz bietet einen Blick auf das Orchester, Wagner versenkte dieses in einem Gewölbe mit Abdeckung, um die Konzentration auf
die Bühne zu steigern. Lediglich ein abnehmbarer Deckel diente dem Komponisten dazu, seine Anweisungen zu erteilen. Nebst dem Festspielhaus hat Wagner in Bayreuth seine Villa Wahnfried hinterlassen. Deren Name hat nichts mit Wahnsinn zu tun, vielmehr hat der Erbauer darin laut seiner Inschrift von seinem Wähnen Frieden gefunden.

Anlässlich der Festspiele, welche vom 25. Juni bis 28. August dauern werden jeweils 30 Aufführungen (Ring, Parsifal, Fliegender Holländer, Lohengrin, Meistersinger, Tristan und Isolde sowie Tannhäuser) gegeben und von rund 60’000 Zuschauern besucht. 800’000 interessieren sich für Karten, so dass Wartezeiten bis zu 10 Jahren resultieren. Dennoch sind die Preise eigentlich
bescheiden, sie bewegen sich zwischen 28 und 208 €. Bescheiden sind oftmals auch die Künstlerinnen und Künstler, welche oftmals für eine symbolische Entschädigung auftreten.

Knappertsbusch und Toscanini sollen sogar ganz auf ihre Gage verzichtet haben. Weniger bescheiden nehmen sich die Roben und der Schmuck der Besucherinnen und Besucher aus, laut Referent könnte man damit wohl einen Jumbo Jet finanzieren.

„Tollhaus Bayreuth“ titelte jüngst das Magazin Spiegel eine Nummer, die der Nachfolgeregelung der Leitung der Festspiele gewidmet war. Künstlerischer Leiter der Festspiele ist Wolfgang Wagner, mögliche Nachfolgerinnen sind unter anderen Nike und Eva Wagner – Pasquier. Eva wurde 2001 gegen den Willen des 89 jährigen Wolfgang ernannt, verzichtete aber, da sich der
jetzige Leiter auf seinen Vertrag berief, welcher auf Lebzeiten gilt. Nachdem die Festspiele mehrere Weltkriege, die Nähe zum Nationalsozialismus, die deutsche Trennung und Wiedervereinigung überstanden haben, werden sie wohl auch in Zukunft Bestand haben.

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Mit einem Ausschnitt aus Rheingold schloss der Referent seine umfassenden Ausführungen ab.

In der nachfolgenden kurzen Diskussion fand der Applaus-Rekord Erwähnung, welcher bei der letzten Aufführung des „Jahrhundertrings“ 1980 während 75 Vorhängen und 90 Minuten gespendet wurde. Die Frage, ob es ausser Deutschen noch andere Freunde dieser bombastischen Musik gebe konnte der Referent dahingehend beantworten, dass bei den Festspielen
viele Amerikaner und Engländer anzutreffen seien und in verschiedensten Ländern Richard Wagner Vereinigungen bestehen. Ausserdem erwähnte er auch eine Reihe von Kompositionen, welche eher kammermusikalischen Charakter haben.

Dem Referenten wie uns allen wäre es wohl lieber, wäre Wagner ein sympathisches Genie gewesen. Sein Stellenwert in der Musikgeschichte ist indessen unbestritten. Ob es gelingt oder als erstrebenswert erachtet wird, beim Anhören der Musik die Kluft zwischen dem Mensch und dem
musikalischen Werk zu vergessen, ist wohl dem individuellen Empfinden überlassen.

Der Berichterstatter
Rot. Urs Klemm

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Literarisch-geschichtliche Nachtwanderung

Literarisch-geschichtliche Nachtwanderung

 

Das Seetal als Schauplatz einer Novelle von Frank Wedekind

Der Brand von Egliswyl

26. Oktober 2006              Schloss Lenzburg

Erzähler (Frank Wedekind), Vater Wedekind:    Beat Unternährer

Hans, der Brandstifter:                                       Florian Oberle

Der Brand von Egliswyl_2_2

Bericht in der AZ vom 28.8.: bericht_eglis